Erwerbstätigen und Arbeitslosen

Beschäftigung und Arbeitslosigkeit bleiben im ersten Quartal 2020 stabil

Beschäftigung & Ausbildung
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit bleiben im ersten Quartal 2020 stabil

Statbel, das belgische Statistikamt, veröffentlicht heute die Ergebnisse der Arbeitskräfteerhebung des ersten Quartals 2020, bis zum 31. März 2020. Am Ende dieses Quartals verursachte die Covid-19-Pandemie große Veränderungen in der Arbeitssituation eines großen Teils der Bevölkerung. Die ersten Anzeichen dafür sind in den vierteljährlichen Zahlen, die einen Durchschnittswert für das gesamte Quartal enthalten, noch sehr begrenzt. Um die jüngsten Ereignisse genauer verfolgen zu können, veröffentlicht Statbel seit kurzem auch vorläufige monatliche Zahlen (https://statbel.fgov.be/nl/themas/datalab/maandelijkse-cijfers-over-de-…). Diese zeigen, dass die Folgen der Covid-19-Krise erst im nächsten Quartal weitgehend sichtbar sein werden. Die Zahlen für Mai 2020 werden am Donnerstag, dem 9. Juli 2020, veröffentlicht. Die endgültigen Zahlen des zweiten Quartals werden Ende September folgen.

2019 war ein gutes Jahr auf dem Arbeitsmarkt. Im ersten Quartal 2020 sind keine große Veränderungen zu verzeichnen. Die Beschäftigungsquote beträgt 70,4% auf nationaler Ebene. Es gibt einen leichten Anstieg in Brüssel (62,6%) und in der Wallonie (64,2%), während die Quote in Flandern einen leichten Rückgang aufweist (75,4%). Dadurch bleiben die Unterschiede zwischen den Regionen ziemlich groß.

Die Arbeitslosenquote setzt den Abwärtstrend der letzten Jahre fort, insbesondere in Brüssel und in der Wallonie. In Brüssel liegt die Arbeitslosenquote der 15-64-Jährigen im ersten Quartal 2020 bei 11,2% und in der Wallonie bei 7,1%. In Flandern verzeichnet man nach dem starken Rückgang im Vorquartal wieder einen leichten Anstieg. Die Arbeitslosenquote ist mit 3,1% nach wie vor sehr niedrig.

Weitere Einzelheiten können Sie unten nachlesen.

Beschäftigungsquote der 20-64-Jährigen

70,4% der 20-64-Jährigen sind erwerbstätig

Wir sehen nur eine sehr geringe Entwicklung der Beschäftigungsquote im ersten Quartal 2020 im Vergleich zu den Zahlen des Vorquartals. In der Altersgruppe der 20-64-Jährigen, der Zielgruppe des EU2020-Indikators, liegt dieser Wert im ersten Quartal 2020 bei 70,4% gegenüber 70,5% im vierten Quartal 2019. Im Vergleich zu den Zahlen des Vorjahresquartals ist aber immer noch ein deutlicher Anstieg von 69,8% auf 70,4% zu verzeichnen.

Kluft der Beschäftigungsquote zwischen Männern und Frauen wieder etwas größer

Zwar hat sich die Kluft zwischen den Beschäftigungsquoten von Männern und Frauen in den letzten Jahren allmählich verringert, doch im ersten Quartal 2020 liegen die beiden Zahlen wieder etwas näher beieinander. Die Beschäftigungsquote der Frauen in der Altersgruppe der 20-64-Jährigen sinkt leicht von 66,7% im vierten Quartal 2019 auf 66,0% im ersten Quartal 2020, während sich die Beschäftigungsquote der Männer im gleichen Zeitraum von 74,3% auf 74,7% entwickelt.

Anstieg der Beschäftigungsquote der Personen über 55 Jahre

Nach Altersgruppen aufgeschlüsselt, stellen wir zwischen dem vierten Quartal 2019 und dem ersten Quartal 2020 einen Anstieg der Beschäftigungsquote um 0,4 Prozentpunkte für die Altersgruppe der 55-64-Jährigen und einen leichten Rückgang um 0,2 Prozentpunkte für die Altersgruppe der 20-54-Jährigen fest. Damit liegt die Zahl der 55-64-Jährigen bei 52,8%, aber immer noch deutlich unter der Zahl der 20-54-Jährigen. In dieser Gruppe beträgt die Beschäftigungsquote 75,6 %.

Sehr geringe Veränderungen innerhalb der Regionen

Auf regionaler Ebene sind im Vergleich zum Vorquartal nur sehr geringe Veränderungen zu verzeichnen. In Brüssel und in der Wallonie wird ein leichter Anstieg der Beschäftigungsquote beobachtet von 62,3% auf 62,6% in Brüssel bzw. von 64,0% auf 64,2% in der Wallonie, während in Flandern ein leichter Rückgang von 75,7% auf 75,4% zu verzeichnen ist. Das bedeutet, dass die Unterschiede zwischen den Regionen nach wie vor ziemlich groß sind.

Arbeitslosenquote der 15-64-Jährigen

Die ILO-Arbeitslosenquote der 15-64-Jährigen beträgt 5,1%

Die Arbeitslosenquote der 15-64-Jährigen nach den Definitionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) (siehe Registerkarte “Dokumentation”) liegt im ersten Quartal 2020 bei 5,1% und setzt damit den Abwärtstrend der letzten Jahre fort. Zwar unterscheidet sich die Zahl noch deutlich von der Arbeitslosenquote im gleichen Quartal des Vorjahres (5,7% im ersten Quartal 2019), doch wird kaum ein Unterschied zur Zahl des Vorquartals beobachtet (5,2% im vierten Quartal 2019). Der Trend scheint sich also zu stabilisieren.

Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen die Covid-19-Krise haben wird, die sich im nächsten Quartal in vollem Umfang in den Zahlen niederschlagen wird. Wie bereits nach der Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen für April 2020 erwähnt, wird diese offizielle ILO-Arbeitslosenquote kurzfristig nicht unbedingt steigen. Einerseits gelten Personen mit vorübergehendem Arbeitslosenstatus nach wie vor als erwerbstätig, weil sie ihren Arbeitsplatz behalten und nur vorübergehend abwesend sind. Andererseits erwarten wir auch kurzfristig Verschiebungen von der Arbeitslosigkeit zur Erwerbslosigkeit. Die spezifische ILO-Definition der Arbeitslosigkeit erfordert nämlich nicht nur, dass man keine Arbeitsstelle hat, sondern man soll auch für den Arbeitsmarkt verfügbar sein und aktiv eine Arbeitsstelle suchen. Unsere vorläufigen Monatszahlen zeigen, dass vor allem diese spezifische Gruppe von Nichterwerbspersonen, die zwar zur Verfügung stehen, aber nicht aktiv eine Arbeitsstelle suchen, stark zunimmt. (https://statbel.fgov.be/nl/themas/datalab/maandelijkse-cijfers-over-de-…).

Arbeitslosenquote der Frauen etwas niedriger als die der Männer

Die Arbeitslosenquote für Männer und Frauen unterscheidet sich nur geringfügig und betrug im ersten Quartal 2020 5,3% für Männer und 4,9% für Frauen. Die Arbeitslosenquote für Frauen ist somit etwas höher als im vierten Quartal 2019 (von 4,6% auf 4,9%), während sie für Männer von 5,7% auf 5,3% zurückgegangen ist. Die Arbeitslosenquote der Frauen liegt jedoch seit einigen Jahren unter dem Niveau der Männer.

Weiterer Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit

Genauso wie die allgemeine Arbeitslosenquote ist auch die Jugendarbeitslosenquote seit einiger Zeit rückläufig. Zwischen dem vierten Quartal 2019 und dem ersten Quartal 2020 ist ein ziemlich großer Rückgang um 2,2 Prozentpunkte zu verzeichnen. Damit steigt die Zahl auf 12,4%. Die Arbeitslosenquote in den beiden anderen Altersgruppen steigt dagegen sehr leicht an.

Weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit in der Wallonie und Brüssel

Auf regionaler Ebene sehen wir einen deutlichen Rückgang in der Wallonie und in Brüssel. In Brüssel steigt die Zahl von 11,8% im vierten Quartal 2019 auf 11,2% im ersten Quartal 2020. In der Wallonie handelt es sich um einen Rückgang von 7,6% auf 7,1%. Flandern hatte im Vorquartal eine sehr niedrige Quote von 2,9% und bleibt trotz des leichten Anstiegs der Arbeitslosenquote auf 3,1% im ersten Quartal 2020 auf einem niedrigen Niveau. Für jede der drei Regionen sehen wir einen deutlichen Abwärtstrend, wenn wir mit dem gleichen Quartal vor einem Jahr vergleichen.

Überwachung der Covid-19-Krise

Um die Folgen der Covid-Krise zu überwachen, veröffentlicht Statbel eine zusätzlichen Reihe von Indikatoren (Excel-Datei), der vierteljährlich aktualisiert werden soll:

Obwohl die Auswirkungen der Krise noch nicht in den ILO-Indikatoren sichtbar sind, sehen wir bereits begrenzte Auswirkungen auf die Arbeitszeit. Während die Erwerbstätigen im ersten Quartal 2019 durchschnittlich 33 Stunden pro Woche in ihrem Hauptberuf arbeiteten, sank diese Zahl im ersten Quartal 2020 auf durchschnittlich 31,2 Stunden pro Woche.

Methodologische Anmerkung

Die angegebenen Zahlen sind Schätzungen auf der Grundlage einer Stichprobenerhebung. Die Zahlen sind auf eine effektive Stichprobe von mehr als 31.500 Personen (Befragten) im erwerbsfähigen Alter (ab 15 Jahren und älter) im ersten Quartal 2020 basiert. Es handelt sich um etwa 15.500 Befragte in Flandern, 12.000 in der Wallonie und 4.000 in Brüssel.

Trotz der großen Stichprobe, auf der die Zahlen basieren, muss (wie bei allen auf einer Stichprobe basierenden Ergebnissen) eine gewisse Unsicherheitsmarge für die geschätzten Zahlen berücksichtigt werden. Um die Lesbarkeit zu erhöhen, wird nicht immer darauf hingewiesen, ob bestimmte Entwicklungen signifikant sind oder nicht. Man sollte jedoch berücksichtigen, dass kleine Entwicklungen von Quartal zu Quartal in der Regel nicht signifikant sind. Deshalb empfehlen wir, die Trends über mehrere Quartale auszuwerten, mit der Begründung, dass bestimmte Schwankungen der Zufallsstichproben auf diese Weise weniger sichtbar sind.

Kennzahlen über den Arbeitsmarkt Q1 2020

Belgien Prozentualer Anteil des ersten Quartals 2020 Entwicklung im Vergleich zum vierten Quartal 2019 in Prozentpunkten Entwicklung im Vergleich zum ersten Quartal 2019 in Prozentpunkten
Beschäftigungsquote 20-64 Jährigen Gesamtzahl 70,4% -0,1 +0,6
Mann 74,7% +0,4 +1,0
Frau 66,0% -0,7 +0,2
Beschäftigungsquote 55-64 Jährigen Gesamtzahl 52,8% +0,4 +2,0
Mann 58,7% +0,8 +3,2
Frau 47,0% +0,0 +0,8
Arbeitslosenquote 15-64 Jährigen Gesamtzahl 5,1% -0,1 -0,5
Mann 5,3% -0,4 +1,0
Frau 4,9% +0,3 +0,1
Arbeitslosenquote 15-24 Jährigen Gesamtzahl 12,4% -2,2 -3,3
Mann 11,9% -4,4 -6,8
Frau 12,9% +0,2 +0,8
Region Brüssel-Hauptstadt Prozentualer Anteil des ersten Quartals 2020 Entwicklung im Vergleich zum vierten Quartal 2019 in Prozentpunkten Entwicklung im Vergleich zum ersten Quartal 2019 in Prozentpunkten
Beschäftigungsquote 20-64 Jährigen Region Brüssel-Hauptstadt Gesamtzahl 62,6% +0,3 +1,8
Mann 68,7% +0,6 +1,1
Frau 56,6% +0,0 +2,4
Arbeitslosenquote 15-64 Jährigen Region Brüssel-Hauptstadt Gesamtzahl 11,2% -0,6 -2,5
Mann 10,5% -0,5 -3,3
Frau 12,1% -0,7 -1,5
Flämische Region Prozentualer Anteil des ersten Quartals 2020 Entwicklung im Vergleich zum vierten Quartal 2019 in Prozentpunkten Entwicklung im Vergleich zum ersten Quartal 2019 in Prozentpunkten
Beschäftigungsquote 20-64 Jährigen Flämische Region Gesamtzahl 75,4% -0,3 +1,2
Mann 79,5% +0,1 +1,6
Frau 71,2% -0,7 +0,8
Arbeitslosenquote 15-64 Jährigen Flämische Region Gesamtzahl 3,1% +0,2 -0,3
Mann 3,0% -0,3 -0,7
Frau 3,2% +0,8 +0,1
Wallonische Region Prozentualer Anteil des ersten Quartals 2020 Entwicklung im Vergleich zum vierten Quartal 2019 in Prozentpunkten Entwicklung im Vergleich zum ersten Quartal 2019 in Prozentpunkten
Beschäftigungsquote 20-64 Jährigen Wallonische Region Gesamtzahl 64,2% +0,1 -1,0
Mann 68,2% +1,1 -0,3
Frau 60,2% -0,8 -1,7
Arbeitslosenquote 15-64 Jährigen Wallonische Region Gesamtzahl 7,1% -0,5 -0,3
Mann 8,2% -0,7 -0,6
Frau 5,9% -0,3 0,1

Grundgesamtheit

Mitglieder von Privathaushalten ab 15 Jahren.

Stichprobenbasis

Im Nationalregister enthaltene demographische Daten.

Datenversammlungsmethode und Stichprobenumfang

Für die erste Befragung werden die Informationen über Interviews im direkten Gegenüber erhoben. Seit 2017 folgen drei weitere kürzere Folgeabfragen, die über das Internet oder per Telefon durchgeführt werden.

Haushalte, die ausschließlich aus Nichterwerbspersonen über 64 Jahre bestehen, dürfen auch telefonisch befragt werden.

In Belgien werden jährlich etwa 47.000 Haushalte angeschrieben, um an dieser Erhebung teilzunehmen.

Antwortrate

Die Antwortquote beträgt +75%.

Frequenz

Vierteljährlich

Veröffentlichungskalender

Ergebnisse zur Verfügung etwa 3 Monate nach dem Berichtszeitraum.

Formulare

Definitionen bezüglich der Erwerbstätigen und Arbeitslosen

Die Stichprobenerhebung über Arbeitskräfte ist eine Erhebung bei privaten Haushalten, die das ganze Jahr durch gehalten wird. Sie ist auf die Antworten von fast  123.000 Personen (Befragten) im erwerbsfähigen Alter (ab 15 Jahren und älter) basiert.

Die Erhebung wurde auf europäischer Ebene harmonisiert. Die verwendeten Definitionen über Beschäftigung und Arbeitslosigkeit entstammen dem Internationalen Arbeitsamt (ILO), wodurch eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse auf internationaler Ebene gewährleistet wird.

  • Personen mit einer Beschäftigung (Erwerbstätige)) sind Personen, die während der Berichtswoche mindestens eine Stunde arbeiten für einen Lohn, ein Gehalt oder für Gewinn, oder die eine Beschäftigung hatten, aber vorübergehend abwesend waren. Man kann zum Beispiel wegen Urlaub, Krankheit, technischen oder wirtschaftlichen Gründen (zeitweiliger Arbeitslosigkeit),... vorübergehend abwesend sein. Die mithelfenden Familienangehörigen werden ebenfalls zu den Erwerbstätigen gezählt.
  • Arbeitslose sind alle Personen, die:

(a) während der Berichtswoche keine Arbeit hatten, d.h. keine Arbeitnehmer waren oder keine selbständige Erwerbstätigkeit hatten;

(b) für Arbeit verfügbar waren, d.h. für Arbeit als Arbeitnehmer oder als Freiberufler verfügbar waren innerhalb den zwei Wochen nach der Berichtswoche;

(c) aktiv Arbeit suchten, d.h. während den letzten vier Wochen einschließlich der Berichtswoche gezielte Schritte unternommen hatten, um eine Beschäftigung oder Arbeit als Freiberufler zu suchen, oder einen Arbeitsplatz gefunden hatten und innerhalb von höchstens drei Monaten ihre Arbeit aufnehmen würden.
 

Achtung! Die ILO-Arbeitslosenquote enthält weder eine eventuelle Anmeldung bei VDAB, Actiris, FOREM oder ADG, noch das Empfangen einer Sozialhilfe des LfA, und sind also nicht mit den administrativen Arbeitslosigkeitsquoten vergleichbar.

  • Die Erwerbspersonen setzen sich aus den Erwerbstätigen und den Erwerbslosen zusammen.
  • Nichterwerbspersonen sind alle Personen, die weder als erwerbstätig noch als arbeitslos einzustufen sind.
  • Die Beschäftigungsquote ist der Anteil der Erwerbstätigen in einer bestimmten Altersgruppe. 
  • Die  Beschäftigungsquote im Rahmen der Europa 2020-Strategie stellt den Prozentsatz der Erwerbstätigen in der Bevölkerung von 20 bis 64 Jahren dar. 
  • Die Arbeitslosenquote spiegelt den Anteil der Arbeitslosen an der Erwerbsbevölkerung (Erwerbstätigen + Arbeitslosen) innerhalb einer bestimmten Altersgruppe wider.
     
  • Die Erwerbsquote ist der Anteil der Erwerbspersonen (Erwerbstätigen + Erwerbslosen) an der Bevölkerung innerhalb einer bestimmten Altersgruppe.

Oben stehende Indikatoren (Beschäftigungsquote, Arbeitslosenquote und Erwerbsquote) sind die wichtigsten Indikatoren, um die Evolution der Arbeitsmarkt auf internationaler Ebene zu vergleichen.