Materielle und soziale Deprivation

In Armut aufwachsen

Haushalte
In Armut aufwachsen

In Belgien lebt 1 von 7 Kindern (14,5%) in einem von Einkommensarmut bedrohten Haushalt. Statbel, das belgische Statistikamt, hat untersucht, was es für ein Kind bedeutet, unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle zu leben.

Für ein Drittel von ihnen (33%) bedeutet es, dass sie keine neue, sondern nur gebrauchte Kleidung tragen können und für 14% bedeutet es, dass sie nicht mindestens zwei Paar Schuhe haben.

Aus finanziellen Gründen essen 7% der Kinder, die unter der Armutsgefährdungsschwelle leben, nicht jeden Tag Fleisch, Fisch oder einer vegetarischen Entsprechung und 3% nicht jeden Tag Obst und Gemüse. Fast 10% besitzen keine altersspezifischen Bücher, 16% haben kein Spielzeug für draußen und 11% haben kein altersgerechtes Spielzeug.

Einkommensarmut beeinträchtigt auch das soziale Leben von Kindern und ihre Teilnahme an altersgerechten Aktivitäten. Ein Viertel dieser Kinder (24%) kann aufgrund der finanziellen Lage ihres Haushalts nicht an Freizeitaktivitäten wie der Mitgliedschaft in einem Sportverein oder einer Jugendbewegung teilnehmen und 14% von ihnen sind nicht in der Lage, Freunde zum Spielen einzuladen. Für fast 6 von 10 dieser Kinder (58%) ist es auch finanziell unmöglich, eine einwöchige Urlaubsreise pro Jahr zu verbringen.

Schließlich haben 17% der schulpflichtigen Kinder, die in von Einkommensarmut bedrohten Haushalten leben, keinen geeigneten Platz, wo sie lernen und ihre Hausaufgaben machen können.

Diese Zahlen stammen aus der Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen 2021 (EU-SILC), in der mehr als 7.500 belgische Haushalte zu ihrem Einkommen und ihren Lebensbedingungen befragt wurden. Die EU-SILC-Erhebung hat der Einkommensarmut bei Kindern besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Haushalten mit Kindern unter 16 Jahren wurden spezifische Fragen zum Besitz bestimmter Gegenstände oder zur Teilnahme der Kinder an altersgerechten Aktivitäten gestellt.

Anmerkung

Der Einfluss der durch COVID-19 bedingten Einschränkungen ist in den Antworten auf Fragen zu verschiedenen Aspekten des sozialen Lebens zu bemerken, wie "regelmäßig an Freizeitaktivitäten teilnehmen können" und "gelegentlich Freunde zum Spielen oder Essen einladen". Im Jahr 2021 gab ein großer Teil der Befragten an, dass die Kinder diese Sachen aus anderen Gründen als dem Mangel an finanziellen Mitteln nicht getan haben.

SMSD
Content

Prozentualer Anteil der Bevölkerung, der stark materieller und sozialer Deprivation unterliegt (SMSD)

Stark materielle und soziale Deprivation - Belgien 2019 2020 2021
Gesamtzahl 6,3% 6,7% 6,3%
Nach Region
Region Brüssel-Hauptstadt 13,7% 13,5% 11,5%
Flämische Region 3,6% 3,9% 4,4%
Wallonische Region 8,6% 9,5% 8,0%
Nach Geschlecht
Männer 6,2% 6,5% 6,2%
Frauen 6,4% 6,9% 6,4%
Nach Altersgruppe
0-17 8,4% 8,1% 8,6%
18-24 4,9% 5,8% 4,7%
25-49 6,3% 7,0% 6,6%
50-64 7,2% 7,5% 6,8%
65* 3,1% 4,0% 3,0%
Nach Haushaltstyp
1 Erwachsener mit Kind(ern) 17,2% 19,3% 16,9%
2 Erwachsene mit Kind(ern) 5,0% 5,2% 5,6%
2 Erwachsene ohne Kind, von denen mindestens 1 über 64 Jahre alt ist 2,0% 2,1% 2,5%
2 Erwachsene ohne Kind, jünger als 65 Jahre 4,2% 4,9% 3,4%
Alleinstehender 11,1% 11,6% 9,6%
Sonstige 4,4% 4,7% 4,2%
MSD
Content

Prozentualer Anteil der Bevölkerung, der materieller und sozialer Deprivation unterliegt (MSD)

Materielle und soziale Deprivation - Belgien 2019 2020 2021
Gesamtzahl 11,0% 11,0% 10,2%
Nach Region
Region Brüssel-Hauptstadt 21,2% 20,5% 17,2%
Flämische Region 6,5% 6,6% 6,7%
Wallonische Region 15,9% 15,8% 14,1%
Nach Geschlecht
Männer 10,8% 10,6% 9,9%
Frauen 11,3% 11,5% 10,4%
Nach Altersgruppe
0-17 13,1% 11,9% 12,1%
18-24 8,5% 10,4% 9,9%
25-49 11,4% 11,4% 10,6%
50-64 12,7% 13,2% 11,4%
65* 7,0% 7,2% 5,9%
Nach Haushaltstyp
1 Erwachsener mit Kind(ern) 29,7% 28,6% 24,6%
2 Erwachsene mit Kind(ern) 8,6% 9,2% 9,2%
2 Erwachsene ohne Kind, von denen mindestens 1 über 64 Jahre alt ist 4,9% 4,4% 4,4%
2 Erwachsene ohne Kind, jünger als 65 Jahre 8,6% 7,5% 5,5%
Alleinstehender 18,4% 18,7% 15,8%
Sonstige 7,6% 7,6% 7,5%

Zweck und Kurzbeschreibung.

EU-SILC (European Union – Statistics on Income and Living Conditions) ist eine europäische Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen und ein wichtiges Instrument um sich eine Übersicht über Armut und soziale Ausgrenzung auf belgischer und europäischer Ebene zu verschaffen.

Zweck dieser Erhebung ist es, einen allgemeinen Rahmen zustande zu bringen für die Erstellung von EG-weiten statistischen Daten über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC), einschließlich kohärenter sowohl transversaler wie auch longitudinaler Daten über Einkommen und Armut (Grad, Zusammensetzung, ...) auf nationaler und europäischer Ebene.

Grundgesamtheit

Private Haushalte.

Datenversammlungsmethode und Stichprobenumfang

CAPI (Computer Assisted Personal Interview) - Due to COVID-19 situation, temporary switch to CATI (Compter Assisted Telephone Interview).

Respons

± 60% (N= ± 7000 haushalte).

Frequenz

Jährlich.

Veröffentlichungskalender

Erstes Quartal nach Erhebungsjahr

Formulare

Begriffserklärungen

Von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht (AROPE)

Das Risiko von Armut oder sozialer Ausgrenzung, kurz AROPE genannt, bezieht sich auf die Situation, in der Menschen konfrontiert sind mit mindestens einem der folgenden drei Armutsrisiken: monetäre Armut, erhebliche materielle Entbehrung, oder Leben in einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbsintensität. Die AROPE-Quote, d.h. der Anteil an Menschen in der Gesamtbevölkerung, die dem Risiko für Armut und soziale Ausgrenzung ausgesetzt sind, ist der Hauptindikator bei der Armutsüberwachung im Rahmen der „Europa 2020“-Strategie.

Armutsgefährdung = Risiko für monetäre Armut (AROP)

Die Armutsgefährdung (AROP) bezieht sich auf den Anteil an Personen mit einem verfügbaren Äquivalenzeinkommen (nach Sozialtransfers), das unter der Armutsgefährdungsschwelle liegt.

Der Indikator misst nicht Reichtum oder Armut an sich, sondern erfasst ein niedriges Einkommen im Vergleich mit anderen Personen im betreffenden Land. Auch weist er nicht notwendigerweise auf einen niedrigen Lebensstandard hin.

Armutsgefährdung vor Sozialtransfers: Prozentsatz der Personen, deren Äquivalenzeinkommen nach Deduktion aller Sozialtransfers unter die Armutsgefährdungsschwelle fällt.

Armutsgefährdung vor Sozialtransfers exklusiv Altersrenten: Prozentsatz der Personen, deren Äquivalenzeinkommen nach Deduktion der Sozialtransfers mit Ausnahme der Altersrenten unter die Armutsgefährdungsschwelle fällt.

Erhebliche materielle Entbehrung (SMD)

Das Ausmaß der materiellen Entbehrung ist ein Indikator, der das Unvermögen ausdrückt, sich bestimmte Items zu leisten, die von den meisten Menschen als wünschenswert, oder sogar als zu einem anständigen Leben notwendig, betrachtet werden. Der Indikator macht einen Unterschied zwischen Personen, die eine bestimmte Ware oder eine bestimmte Dienstleistung nicht bezahlen können, und diejenigen, die diese Ware oder Dienstleistung aus einem anderen Grund nicht haben, zum Beispiel, weil sie es nicht wollen oder nicht brauchen.
Der Indikator misst den Prozentsatz der Bevölkerung, der sich wenigstens drei der folgenden neun Punkte nicht leisten kann:

  1. die Miete, die Hypothek oder die Versorgungsrechnungen bezahlen;
  2. die Wohnung angemessen heizen;
  3. unerwartete Ausgaben bestreiten;
  4. regelmäßig Fleisch essen oder Eiweiß einnehmen;
  5. auf Urlaubsreise gehen;
  6. ein Farbfernsehgerät;
  7. eine Waschmaschine;
  8. einen PKW;
  9. ein Telefon.

Schwere materielle Entbehrung (SMD) wird definiert als die gezwungene Zahlungsunfähigkeit für mindestens vier der oben genannten Punkte.

Niedrige Erwerbsintensität (LWI)

Der Indikator ‚In einem Haushalt mit einer sehr niedrigen Erwerbsintensität lebende Personen‘ wird definiert als die Zahl der Personen in einem Haushalt, dessen Mitglieder im erwerbsfähigen Alter in den letzten 12 Monaten weniger als 20% ihres Gesamtpotenzials arbeiteten.
Die Erwerbsintensität eines Haushalts ist das Verhältnis der Gesamtzahl der Monate im Einkommens-Bezugsjahr, während deren alle Haushaltsmitglieder im erwerbsfähigen Alter gearbeitet haben, zur Gesamtzahl der Monate, die dieselben Haushaltsmitglieder theoretisch im gleichen Zeitraum hätten arbeiten können.
Eine Erwerbsperson im erwerbsfähigen Alter ist eine Person im Alter von 18-59 Jahren, mit Ausnahme von Studenten der Altersgruppe zwischen 18 und 24 Jahren.
Haushalte, die nur aus Kindern, Studenten unter 25 Jahren und/oder Personen über 60 Jahren bestehen, sind von der Berechnung des Indikators vollständig ausgeschlossen.

Mehr Begriffserklärungen...

Anmerkungen

Bruch in der Reihe im Jahr 2013 in Bezug auf die Erwerbslosen – Bis 2012 galten Vorruheständler aufgrund der Art ihres Einkommens als erwerbslos.

Ab 2013 wurde diese Personengruppe als Rentner, Vorruheständler oder vor dem Ruhestand zur Disposition gestellte Personen eingestuft. Dies entspricht besser der von Eurostat ins Auge gefassten Unterteilung, die besagt, dass Vorruheständler nur dann als erwerbslos betrachtet werden können, wenn sie die Absicht haben, wieder in den Arbeitsmarkt einzusteigen.

Der Anstieg der Armutsquote bei den Erwerbslosen im Jahr 2013 ist daher technisch bedingt und spiegelt keine Veränderung der realen Situation wider.

SILC 2016 bis 2018: Zahlen revidiert am 12/03/2020

SILC 2019: Bruch in der Zeitreihe infolge einer großen Reform der Umfrage

SILC 2020: Impact of the COVID-19 crisis on SILC 2020 results

SILC 2021: Ab SILC 2021 wird die Immobilienvorabzug im verfügbaren Einkommen enthalten sein.

Rechtsvorschriften

EU-SILC 2004 bis 2020 wurde durch eine Rahmenverordnung umgesetzt, die für alle EU-Mitgliedstaaten verbindlich ist: VERORDNUNG (EG) Nr. 1177/2003 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 16. Juni 2003 für die Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC).

Ab SILC 2021 gibt es die VERORDNUNG (EU) 2019/17001700 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES. Diese Rahmenverordnung für die integrierte europäische Sozialstatistik (IESS) und die zugrunde liegenden Durchführungsverordnungen für EU-SILC bilden den neuen Rechtsrahmen. Die Entwicklung der statistischen Infrastruktur im Rahmen des IESS wird durch europäische Zuschüsse unterstützt.

Metadatan

Rapporten en artikels