Berufliche Weiterbildung (CVTS)

1. Unternehmen

"Verordnung (EWG) Nr. 696/93 des Rates vom 15. März 1993 betreffend die statistischen Einheiten für die Beobachtung und Analyse der Wirtschaft in der Gemeinschaft“
Das Unternehmen entspricht der kleinsten Kombination rechtlicher Einheiten, die eine organisatorische Einheit zur Erzeugung von Waren und Dienstleistungen bildet und insbesondere in Bezug auf die Verwendung der ihr zufließenden laufenden Mittel über eine gewisse Entscheidungsfreiheit verfügt. Ein Unternehmen übt eine Tätigkeit oder mehrere Tätigkeiten an einem Standort oder an mehreren Standorten aus. Ein Unternehmen kann einer einzigen rechtlichen Einheit entsprechen.

2. Berufliche Weiterbildung

Aktivitäten gelten nur dann als betriebliche Weiterbildung im Sinne dieser Erhebung wenn:
• Es sich um geplante Maßnahmen handelt und sie deutlich von den laufenden Tätigkeiten (die Arbeit, die normal von dem Arbeitnehmer ausgeübt wird) unterschieden werden können;
• Die Weiterbildung organisiert oder unterstützt wird mit dem vorrangigen Ziel, die Kenntnisse bzw. der Fähigkeiten des Arbeitnehmers zu verbessern oder zu erweitern (keine Routinetätigkeiten oder Anweisungen);
• Die Weiterbildung zumindest teilweise von dem Unternehmen finanziert wird. Das geht aber auch indirekt, z.B. über Beiträge an Fortbildungsfonds oder bereitstellen von Arbeitszeit (Arbeitsfreistellung);
• Die Weiterbildung muss von Arbeitnehmern, die durch einen Arbeitsvertrag im Unternehmen beschäftigt sind, gemacht werden (einschließlich des Eigentümers des Unternehmens, des mithelfenden (unbezahlten) Ehepartners oder der mithelfenden (unbezahlten) Ehepartnerin/Familienmitglieder);
Ausgeschlossen sind Schüler mit einem Lehrvertrag, Praktikanten und Subunternehmer.

Berufliche Erstausbildungen (Def. 3), Lernen durch Erfahrung oder Zufälliges Lernen sind nicht als berufliche Weiterbildungen zu betrachten.

3. Berufliche Erstausbildung

Berufliche Erstausbildung liegt vor bei Systemen, die Arbeit und Ausbildung kombinieren, d.h. bei denen die Auszubildenden sowohl eine berufliche Schulbildung als auch eine praxisorientierte Ausbildung für einen bestimmten Beruf erhalten.
Folgende Kriterien müssen erfüllt sein, um von einer beruflichen Erstausbildung sprechen zu können:
• Die Kombination von Arbeit und Ausbildung ist Teil eines offiziellen Bildungsgangs an einer Unterrichtseinrichtung für formellen Unterricht;
• Das System bezweckt die Erwerbung eines amtlich anerkannten Diploms bzw. Abschlusszeugnisses (im Sekundar-/Postsekundarunterricht, IAWM);
• Die vollständige Ausbildung (nicht nur der Lehrgang) beträgt wenigstens sechs Monate;
• Der Schüler, der den Beruf erlernt, bekommt ein Entgelt.

Folgende Systeme, die Arbeit und Ausbildung kombinieren, werden unterschieden:
• Der berufsbildende Teilzeitsekundarunterricht;
• Die mittelständische Lehre des IAWMs;
• Die Ausbildung zum Betriebsleiter des IAWMs.

4. Interne und externe Lehrveranstaltungen

Interne und externe Lehrveranstaltungen (Def. 7 & 8) kennzeichnen sich durch:
• Eine meistens deutliche Trennung von dem Arbeitsplatz (die Ausbildung findet statt in eigens dazu ausgestatteten Räumen wie Klassenzimmern oder Ausbildungszentren);
• Ein hohes Maß an Organisation (Zeit, Raum und Inhalt), wofür von einem Ausbilder oder einer Ausbildungseinrichtung gesorgt wird;
• Lehrinhalte, die für eine bestimmte Gruppe Auszubildende gedacht sind (es gibt z.B. einen Lehrplan).

5. Andere Formen der beruflichen Weiterbildung

Die anderen Formen der beruflichen Weiterbildung sind weniger formeller Art und kennzeichnen sich durch:
• Eine meistens direkte Verbindung mit der Arbeit und dem Arbeitsplatz, obwohl auch Teilnahme an Konferenzen, Messen usw. zu Lernzwecken zu diesen anderen Formen gehören können;
• Ein hohes Maß an Selbstorganisation (Zeit, Raum und Inhalt) des einzelnen Auszubildenden oder einer Gruppe Auszubildender;
• Einen Inhalt, der gemäß den einzelnen Bedürfnissen des Auszubildenden am Arbeitsplatz gewählt wird.

Sie umfassen die folgenden fünf Formen:
a) Geplante Weiterbildung durch begleitete Weiterbildung am Arbeitsplatz (Def. 9);
b) Geplante Weiterbildung durch Job-Rotation, Austauschprogramme, Abordnungen und Studienbesuche (Def. 10);
c) Geplante Weiterbildung durch Teilnahme an Lern- und Qualitätszirkeln (Def. 11);
d) Geplante Weiterbildung durch selbstgesteuertes Lernen (Def. 12);
e) Geplante Weiterbildung durch Besuch von Kongressen, Workshops, Fachmessen, Erfahrungsaustauschkreisen und sonstigen Informationsveranstaltungen (Def. 13).

6. Tarifverträge zwischen Sozialpartnern

Die Sozialpartner sind Repräsentativorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer (Arbeitgeberorganisationen und Gewerkschaften). Die Sozialpartner verhandeln regelmäßig auf nationaler und sektoraler Ebene. Das Ergebnis der Verhandlungen wird in einen Tarifvertrag aufgenommen. In der Regel werden in Tarifverträgen die Löhne und andere Arbeitsbedingungen festgelegt. Tarifverträge können auch Bestimmungen über berufliche Weiterbildungen, nationale oder sektorale Bildungsfonds, Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung älterer Arbeitnehmer usw. beinhalten.

7. Interne Lehrveranstaltungen

Interne Lehrveranstaltungen werden hauptsächlich von dem eigenen Unternehmen konzipiert und durchgeführt. (Wichtig dabei ist, dass die Verantwortung für den Inhalt der Lehrveranstaltung beim Unternehmen liegt. Die Lehrveranstaltung kann innerhalb oder außerhalb des Unternehmens stattfinden.)

8. Externe Lehrveranstaltungen

Externe Lehrveranstaltungen werden hauptsächlich konzipiert und durchgeführt von Organisationen, die kein Teil des Unternehmens sind. (Wichtig ist hier, dass die Verantwortung für den Inhalt der Lehrveranstaltung außerhalb des Unternehmens liegt; die Lehrveranstaltung wird vom Unternehmen nur gewählt und gebucht. Die Lehrveranstaltung kann innerhalb oder außerhalb des Unternehmens stattfinden.)

9. Begleitete Weiterbildung am Arbeitsplatz

Begleitete Weiterbildung am Arbeitsplatz kennzeichnet sich durch geplante Phasen der Unterweisung bzw. das Sammeln praktischer Erfahrung am Arbeitsplatz, wobei die täglichen Arbeitsmittel benutzt werden.

10. Job-Rotation, Austauschprogramme, Abordnungen oder Studienbesuche

Job-Rotation innerhalb des Unternehmens und Austauschprogramme mit anderen Unternehmen kommen nur in Betracht, wenn diese Maßnahmen im Voraus geplant sind und getroffen wurden mit der ursprünglichen Absicht, die Qualifikationen bei den betreffenden Beschäftigten zu entwickeln. Versetzungen von Beschäftigten von einem Auftrag zum andern, die kein Teil eines geplanten Entwicklungsprogramms sind, werden ausgeschlossen.

11. Lern- oder Qualitätszirkel

Lernzirkel sind Gruppen von Mitarbeitern, die regelmäßig mit dem vorrangigen Ziel zusammenkommen, sich zu den Anforderungen der Arbeitsorganisation, zu den Arbeitsverfahren und zu den Arbeitsplätzen weiterzubilden.
Qualitätszirkel sind Arbeitsgruppen, deren Ziel es ist, durch Diskussion Probleme zu lösen, die mit der Produktion oder dem Arbeitsplatz zusammenhängen. Sie gelten nur dann als Weiterbildungsform, wenn der vorrangige Zweck des teilnehmenden Beschäftigten die Weiterbildung ist.

12. Selbstgesteuertes Lernen

Selbstgesteuertes Lernen besteht aus geplanten individuellen Lernaktivitäten, bei denen eine oder mehrere Formen von Lernmaterialien benutzt wird bzw. werden. Das Lernen kann in einer privaten oder öffentlichen Umgebung oder auch in der Arbeitssituation stattfinden.
Selbstgesteuertes Lernen kann u. a. über offene Ausbildungen, Fernunterricht, Video/Audiomaterial, schriftliche Korrespondenzkurse, computerunterstützte Methoden (einschließlich des Internets) oder durch ein Schulungszentrum (z.B. Bibliothek usw.) erfolgen.
Das Lernen muss allerdings ein Teil einer geplanten Initiative sein. Unstrukturiertes Stöbern im Internet gehört nicht hierhin. Auch selbstgesteuertes Lernen im Rahmen interner oder externer Lehrveranstaltungen ist hier nicht zu berücksichtigen.

13. Besuch von Kongressen, Workshops, Fachmessen, Erfahrungsaustauschkreisen und sonstigen Informationsveranstaltungen

Der Besuch von Kongressen, Workshops, Fachmessen, Erfahrungsaustauschkreisen und sonstigen Informationsveranstaltungen gilt nur dann als Ausbildungsmaßnahme, wenn er im Voraus geplant wurde und der vorrangige Zweck des teilnehmenden Beschäftigten die Weiterbildung oder das Lernen ist.

14. Beiträge

Zweck dieser Rubrik ist es, die Kosten zu erfassen, die mit Beiträgen für kollektive Finanzierungssysteme zusammenhängen, welche über Behörden oder vermittelnde Organisationen gezahlt wurden. Dies ermöglicht eine Schätzung der gesamten, dem Arbeitgeber entstandenen Kosten der beruflichen Weiterbildungen.
Die Beiträge sind zu entrichten, auch wenn es im Unternehmen keine Teilnehmer an beruflichen Weiterbildungen gibt.

15. Zuschüsse

Zweck dieser Rubrik ist es, die Einnahmen aus verschiedenen kollektiven Finanzierungssystemen, Zuschüssen und finanziellen Unterstützungen von Behörden- oder anderen Quellen zu erfassen, die für berufliche Weiterbildungen/Lehrveranstaltungen bestimmt sind, damit eine Schätzung dem Arbeitgeber entstandenen Gesamtkosten beruflicher Weiterbildungen gemacht werden kann. Einige Beispiele: Einnahmen aus regionalen, sektoralen, nationalen oder europäischen Fonds, öffentliche Zuschüsse oder Ermäßigungen, Steuervergünstigungen, private Finanzierungen…
Die Zuschüsse können zuerkannt werden, auch wenn es im Unternehmen keine Teilnehmer an beruflichen Weiterbildungen gibt.

16. Gesamtanzahl der Teilnehmer

Ein Teilnehmer ist eine Person, die im Laufe des Jahres 2015 an einer oder mehrerer internen oder externen Lehrveranstaltungen teilgenommen hat. Jede Person darf nur einmal gezählt werden, ungeachtet wie viel Mal sie an einer beruflichen Weiterbildung teilgenommen hat. D.h. ein Beschäftigter, der zwei externen Lehrveranstaltungen und einer internen Lehrveranstaltung gefolgt hat, soll als ein Teilnehmer gezählt werden.

17. Anzahl bezahlte Arbeitsstunden, die zu internen und externen Lehrveranstaltungen verwendet wurden

Die Anzahl bezahlte Arbeitsstunden, die zu internen und externen Lehrveranstaltungen verwendet wurden, ist die Gesamtzeit, die alle Teilnehmer zusammen im Jahr 2015 tatsächlich zu internen und externen Lehrveranstaltungen verwendet haben.
Wenn ein Unterricht nur teilweise innerhalb des Jahres 2015 stattfand, ist nur die Zeit, die im Jahr 2015 darauf verwendet wurde, mitzurechnen. Die ‚Anzahl Stunden, die zu internen und externen Lehrveranstaltungen verwendet wurden’ umfasst nur die eigentliche Weiterbildungszeit. Nur die Zeit, die während der bezahlten Arbeitszeit der Arbeitnehmer zu Weiterbildungszwecken verwendet wird, darf mitgerechnet werden (d.h. sämtliche Stunden, die von den Teilnehmern für ihre Weiterbildung verwendet wurden und während deren sie normalerweise gearbeitet hätten, oder die Stunden, die vom Unternehmen fortgezahlt wurden).

Mitzurechnen sind weder die innerhalb des Weiterbildungszeitraums geleisteten Stunden normaler Arbeit, noch die Fahrtzeiten. Zum Beispiel: wenn eine Weiterbildungsveranstaltung eine Woche dauert, darf nur die Zeit mitgerechnet werden, die tatsächlich auf der Veranstaltung oder auf die Arbeit mit Bildungsmaterialien verwendet wurde. Wenn eine Person während verschiedener Wochen einen Tag pro Woche einer Lehrveranstaltung beiwohnt, ist dieser Tag pro Woche mitzurechnen (und zusammenzuzählen), die Tage aber, an denen gearbeitet wurde, sind nicht zu berücksichtigen.

18. Obligatorische berufliche Weiterbildungen zu den Themen Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz

Gemäß europäischer Richtlinie 89/391/EWG, die in Belgien als Grundlage für den Gesetz vom 4. August 1996 gilt, ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, geeignete Maßnahmen zu treffen, damit Arbeitnehmer zu Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz angemessen ausgebildet werden.
Diese obligatorischen beruflichen Weiterbildungen werden in Form arbeitsspezifischer Anweisungen oder Informationssitzungen gegeben. Einige Beispiele:
• Obligatorische berufliche Weiterbildungen für Tätigkeiten wie das Bedienen eines Staplers, die Ausbildung von Sicherheitsverantwortlichen im Unternehmen, Prävention, Unfallhilfemaßnahmen,…;
• Berufliche Weiterbildungen für Arbeitnehmer, damit sie ihre Arbeit gut leisten können und sich selbst und andere Personen zu schützen wissen. Diese Ausbildungen müssen an den Bedürfnissen und Umständen des Arbeitsplatzes und dem (Vor)Wissen der Arbeitnehmer angepasst werden. Ein einfaches Beispiel ist eine Brandübung.

19. Weiterbildungsanbieter

Der Anbieter einer externen Lehrveranstaltung ist die Person oder Organisation, die die Ausbildung veranstaltet:
• Fachschulen, Fachhochschulen, beruflich-soziale Förderstätte, Universitäten, andere Einrichtungen für Hochschulunterricht…;
• Öffentliche Weiterbildungseinrichtungen (die von Behörden finanziert oder geleitet werden, z.B. ADG oder IAWM);
• Private Weiterbildungsanbieter;
• Private Unternehmen, deren Haupttätigkeit nicht die Weiterbildung ist;
• Arbeitgeberorganisationen, Handelskammer, Sektorvereine;
• Gewerkschaften;
• Andere Weiterbildungsanbieter.

20. Zahlungen und Gebühren an Weiterbildungsanbieter

Zahlungen geleistet an externe Weiterbildungsanbieter, einschließlich der Aufnahmegebühr, der Gebühren für Examinatoren und der Kosten für den Einsatz von externem Weiterbildungspersonal in internen Lehrveranstaltungen (MwSt darf nicht mitgerechnet werden).

21. Reisekosten, Spese und Tagegeld

Gemeint werden Kosten, die den Teilnehmern für ihre Wegezeiten zu den Lehrveranstaltungen und für ihre sonstigen Aufenthaltskosten rückerstattet wurden (MwSt darf nicht mitgerechnet werden).

22. Personalaufwendungen für internes Weiterbildungspersonal

Die (direkten und indirekten) Aufwendungen für das Personal des internen Bildungszentrums und das Personal des Unternehmens, das ausschließlich oder teilweise mit der Konzeption, Organisation und Durchführung von den internen und externen Ausbildungen beschäftigt ist.
Wenn diese Ausbilder nur teilweise für Weiterbildung eingesetzt werden, darf nur die Zeit, die auf die Lehrveranstaltungen verwendet wird, mitgerechnet werden.
Wenn die gesamten Arbeitskosten der Ausbilder oder Mentoren nicht aus den Büchern des Unternehmens aufgestellt werden können, dürfen die Arbeitskosten an Hand von Daten über die Gesamtanzahl der Ausbilder oder Mentoren, die mit internen und externen Lehrveranstaltungen beauftragt sind, in Kombination mit dem Durchschnittslohn geschätzt werden.

23. Kosten für Räume, Ausstattung und Materialien für berufliche Weiterbildung/ Lehrveranstaltungen

Diese Kosten umfassen die Kosten der Benutzung der Bildungsräume sowie auch die Kosten der jährlichen Abschreibung der Räumlichkeiten und der Ausstattung (MwSt darf nicht mitgerechnet werden).

24. Kosten für Lernmaterialien für berufliche Weiterbildung/ Lehrveranstaltungen

Kosten für Materialien, die eigens für die Lehrveranstaltungen angekauft worden sind, z.B. einen Projektor, ein Flipchart, CD-ROMS, Papier, Schreibwaren usw. (MwSt darf nicht mitgerechnet werden).